Geschichte der MWS

Die Ärztinnen Schweiz MWS (vormals Vereinigung Schweizer Ärztinnen VSÄ) bestehen seit über 80 Jahren.  Die ersten Medizinerinnen waren Einzelkämpferinnen in einem bis anhin nur Männern vorbehaltenen Beruf. Erst später entstand die Erkenntnis gemeinsamer geschlechtsspezifischer Schwierigkeiten und damit das Bedürfnis nach Austausch unter Kolleginnen.  Im Jahre 1867 wurden die ersten (russischen) Frauen in Zürich zum Medizinstudium zugelassen. Ein Jahr später immatrikulierte sich die erste Schweizerin, Marie Heim-Vögtlin, wenig später Caroline Farner, welche 1874 als zweite Schweizer Ärztin promovierte.   In der Folge schlossen immer mehr Frauen das Medizinstudium ab und praktizierten  als Ärztinnen in der Schweiz, kannten sich aber unter einander kaum.

In Ermangelung einer schweizweiten Vereinigung schlossen sich viele Schweizer Ärztinnen der MWIA (Medical Women’s International Association) an. 1922  organisierten sie den ersten MWIA–Kongress in Genf. 1922 Jahr gilt darum als Gründungsjahr der  Ärztinnen Schweiz (MWS). Die damals aktiven Frauen rekrutierten sich aus einer lokalen Gruppe in Zürich mit 45 Mitgliedern sowie Einzelmitgliedern in Genf, Lausanne, Bern und Winterthur.  Ab 1956, als die Schweiz erneut Gastland für den MWIA-Kongress war, wurde der Zusatz 'Sektion Zürich' der lokalen Gruppe gestrichen, da dem Zürcher Kreis Kolleginnen aus der gesamten Schweiz als Mitglieder angehörten. Die Vereinigung zählte zu diesem Zeitpunkt 106 Mitglieder.   Fortan werden mehrmals jährlich wissenschaftliche Vorträge - meist in Zürich oder Luzern - sowie eine jährliche Generalversammlung mit kulturellem Angebot organisiert.

1958 tritt die Vereinigung mit eigenem Ausstellungspavillon auf der 2. Schweizerischen Ausstellung für Frauenarbeit  (SAFFA) auf. Im Jahr der geistigen Hygiene (1960) entsteht unter Mitarbeit der Vereinsmitglieder  eine Reihe von Radiovorträgen zum Thema  'Aus der Sprechstunde der Nervenärztin'.   Aus wirtschaftlichen Gründen können sich in jenen Jahren nur wenige, hauptsächlich wohlhabendere, nicht berufstätige Ärztinnen Reisen zu den internationalen Kongressen der MWIA oder eine Mitarbeit bei der WHO leisten.  Ende der 70er Jahre traten dem Verein vermehrt jüngere Kolleginnen bei. Die Kontakte zur MWIA blieben weiter bestehen, das Hauptaugenmerk richtete sich jedoch auf die besonderen Probleme in der Weiterbildung und auf dem Arbeitsmarkt der Schweizer Ärztinnen.

Die praktische Umsetzung und die Förderung der Teilzeittätigkeit bzw. des Jobsharings war nun ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit. Nach Kontaktaufnahme mit allen Klinikleitern wurde ein umfangreiches Verzeichnis über die vorhandenen/potentiellen Teilzeitstellen erstellt und eine Teilzeitstellen-Börse errichtet, welche mit einigen Anpassungen bis heute weiter geführt wird.  1981 wurde in einer Studie unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Ackermann, Leiterin der Abteilung für sozial- und Präventivmedizin an der Uni Basel, 'Die berufliche und familiäre Lage von Schweizer Ärztinnen' erstmals untersucht. Viele ihrer Ergebnisse haben bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren. Dank steigender Mitgliederzahlen konnte sich die Vereinigung bei sozialpolitischen Themen engagieren, z.B. bei der Revision des Sexualstrafrechtes und der Vernehmlassung zur Initiative 'Recht auf Leben/Fristenlösung' sowie des neuen Eherechtes.

Ab 1984 veröffentlicht die Vereinigung in der Schweizerischen Ärztezeitung in loser Folge Stellungnahmen und Informationen zu aktuellen Themen. Diese Beiträge sowie die direkte Intervention bei der FMH führten zu vermehrter Anerkennung  von Teilzeitstellen  in der Weiterbildung und brachten dem Verein in den Jahren 1987/1988 einen Mitgliederzuwachs von über 40%.   1990 fand erstmalig eine Generalversammlung in der Romandie statt. 1998 konstituierte sich eine Sektion in Luzern und es gab Stammtische in Basel, Bern, Zürich, Winterthur, Fribourg, Chur und im Tessin. Die meisten bestehen heute noch.   1993 wurde im Auftrag der VSÄ von der damaligen Präsidentin, Frau Dr. Augsburger-Dölle, ein Forschungsprojekt zum Thema 'Karrierewünsche und Karrierehindernisse von Schweizer Ärztinnen und Ärzten' durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen auf eindrückliche Weise 'die inneren und äusseren Barrieren' im Hinblick auf eine ärztliche Karriere.

Nicht immer waren alle Schweizer Ärztinnen mit dem Vorgehen ihrer Vereinigung einverstanden. Das Engagement der MWS für die Fristenregelung zum Beispiel hatte 2003 fast 10% Protest-Austritte zur Folge.  Ab 2004 enstand der Wunsch, den nicht mehr ganz in die heutige Zeit passenden Namen der Vereinigung anzupassen und gleichzeitig die Vereinigung vor allem bei Studienabgängerinnen und jungen Assistenzärztinnen bekannter zu machen. So kam es schliesslich im Februar 2005 zur Taufe der Ärztinnen Schweiz MWS.