Ausschnitt aus „Mentoring-Marketing Teilkonzept für die Vereinigung Schweizer Ärztinnen.“ Von Brigitte Muff

Diplomarbeit im Rahmen des PGL XIII für Verbands- und Nonprofit-Management
Verbandsmanagement Institut (VMI)
Universität Freiburg/Schweiz, September 2000. (Kapitel 1.1.2, Seite 7)


„Schon von den ersten in der Schweiz praktizierenden Ärztinnen wissen wir um die Schwierigkeiten der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. War es anfangs dieses Jahrhunderts jedoch noch selbstverständlich, dass sich Bedienstete um den Haus¬halt und z.T. auch die Kindererziehung kümmerten, so änderte sich dies spätestens nach dem zweiten Weltkrieg. So verwundert es nicht, dass bereits in den fünfziger Jahren diese  Problematik die Diskussionen in der VSÄ prägte.
1958 fand auf dem Bürgenstock  eine internationale Tagung mit Teilnehmerinnen aus 24 Ländern statt. Thema: „Die Probleme der verheirateten, ausserhäuslich be¬rufstätigen Frau".
Daraus entstand der Schwerpunkt für die Tätigkeit der Vereinigung Schweizer  Ärztinnen in den folgenden Jahren. Dies drückte sich zunächst vor allem im erfolgreichen Kampf um die Einrichtung von Teilzeitstellen aus. Danach galt es , die Anrech¬nung durch die FMH, von zwei Jahren Weiterbildung in Teilzeit, durchzusetzen.
Im Jahr 1983 erschien die Studie „Schweizer Ärztinnen" über die berufliche und fami¬liäre Lage von Medizinerinnen in der Schweiz (2). Gestützt durch das Wiedererstar¬ken der Frauenbewegung führte die Publikation dieses Buches zu einem Rekordzu¬wachs an Mitgliedern.
Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 25% der Studierenden weiblichen Geschlechts, jedoch nur wenige Prozent als Ärztinnen in leitender Stellung tätig (3). Wie in ande¬ren akademischen Berufen wurde die Chancenungleichheit und Schwierigkeit für eine erfolgreiche Karriere für Frauen erkannt. Entsprechend verlagerte sich der Schwerpunkt der Diskussion, indem nicht mehr nur die alleinige Berufstätigkeit ange¬strebt wurde. 1990 fand erstmals eine Veranstaltung mit dem Titel „Karriere oder Familie?" statt.  Dabei wurde Karriere nicht nur im akademischen Sinne definiert, sondern es wurden  verschiedene Inhalte zugelassen, entsprechend den Verände¬rungen, wie sie sich im Laufe der Zeit ergeben hatten.
Gleichzeitig wurden den VSÄ-Mitgliedern Seminare angeboten, die zum Ziel hatten, das Selbstvertrauen der Ärztinnen zu stärken und damit ihre Position im Beruf zu verbessern. Seit 1995 werden regelmässig Seminare zum Thema „Selbstmanage¬ment" und „Politcoaching" angeboten, welche rege besucht werden.
Es zeigt sich jedoch, dass vor allem junge Ärztinnen an den Fragen Familie/Teilzeit weniger interessiert sind. Was sie wollen, ist eine gute Weiterbildung mit Chancen für eine interessante Karriere. Deshalb wurde 1997 das Projekt Mentoring in der Verei¬nigung Schweizer Ärztinnen  eingeführt. Dieses Projekt hat zum Ziel,  den jüngeren Kolleginnen durch Hilfe einer erfahrenen älteren Ärztin den Einstieg ins Berufsleben zu erleichtern und eine Karriereplanung  zu ermöglichen.

Parallel mit der Zahl der Ärztinnen und dem Bewusstwerden der Bedeutung einer breitabgestützten Standesorganisation steigen die Mitgliederzahlen stetig:

  • 1956 106 Mitglieder
  • 1970 197 Mitglieder
  • 1990 686 Mitglieder
  • 2000 1406 Mitglieder
  • 2007 1400 Mitglieder
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